Kompetenz und Fürsorge für Ihre Gesundheit

Behandlungsschwerpunkt: Essstörungen


Das Therapieprogramm: Kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierte Selbstmanagementtherapie

Unser Therapieprogramm basiert auf einer kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierten Gruppentherapie und folgt weitgehend den Prinzipien des Selbstmanagements. Dadurch liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Eigenverantwortung und aktiven Beteiligung der Patientinnen am therapeutischen Prozess.



Die Therapie ist inhaltlich und zeitlich strukturiert und in aufeinander folgende Phasen gegliedert:


  • Motivationsphase
  • Intensivphase
  • Stabilisierungsphase
  • Nachbetreuung

    Informationen zu den einzelnen Phasen finden Sie in unserem Flyer.

Die Dauer der Behandlung ist individuell verschieden und richtet sich nach Schweregrad und Dauer der Krankheit und eventueller Vorbehandlung.


Das Therapieprogramm ist multimodal und setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen:


Ernährungstherapie mit Essprogramm


Die Basis unserer Therapie bildet das Ernährungsprogramm. Wir sind der Überzeugung, dass Menschen, die sich jahrelang falsch ernährt haben - sei es, weil sie zu viel oder zu wenig, zu selten oder zu oft gegessen haben -, erst neu lernen müssen, vernünftig mit Nahrungsmitteln umzugehen. Aus diesem Grund gibt es im TCE ein strukturiertes Essprogramm mit dem Ziel, die abnorme Kalorienzufuhr, egal ob zu wenig oder zu viel, zu normalisieren. Dabei achten wir auf eine ausgewogene Ernährung ohne irgendeine Einschränkung in der Lebensmittelwahl. Wir verwenden viel frisches Gemüse und Obst, bereiten täglich Salate zu, ein- bis zweimal pro Woche essen wir Fleisch und einmal wöchentlich Fisch.


Menschen mit Essstörungen haben häufig nicht nur jegliches Maß für Auswahl, Menge und Zusammensetzung ihrer Nahrung verloren, sondern essen meist auch ohne jede Tagesstruktur. Von daher ist es uns wichtig, dass die vorgegebene Zeitstruktur in Bezug auf die Essenszeiten eingehalten wird.


Entscheidend für die Mahlzeiten ist, dass diese grundsätzlich in der Gruppe eingenommen werden. Dies vermindert die Angst vor dem Essen und fördert eine konstruktive Kritik untereinander. Während der Mahlzeiten sind keine Therapeutinnen anwesend, da wir die gegenseitige Unterstützung der Patientinnen für sinnvoller halten.


Die Essensstruktur dient dazu, vor allem zu Beginn der Therapie die Verantwortung für das Essen an die Ernährungstherapeutinnen abzugeben. Dies ist für viele Patientinnen eine große Hilfe und wird als deutliche Entlastung empfunden. Die Sicherheit und Selbständigkeit der Essensstruktur wächst zunehmend mit der Therapiedauer.


Ziel der Ernährungstherapie am TCE ist es, das Körpergewicht jeder Patientin dauerhaft im Normalbereich zu stabilisieren und die Patientinnen mit einer zu ihrem Alltag passenden und im Alltag durchführbaren Essensstruktur zu entlassen.


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Psychotherapeutische Gesprächsgruppen


Verhaltenstherapiegruppe

Die Verhaltenstherapiegruppe ist eine offene Problemlösegruppe, in der die Patientinnen aktuelle oder vorbereitete Themen besprechen können. Sie bietet Gelegenheit, sich mitzuteilen und dadurch Entlastung zu erfahren, Fragen an die Gruppe zu stellen und Rückmeldungen zu erhalten. Häufig kommen Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie zum Einsatz: Gemeinsam decken wir negative, hemmende Denkmuster auf und erarbeiten hilfreiche Alternativen, analysieren Rückfälle in symptomatisches Verhalten und suchen nach geeigneten Bewältigungsstrategien. In Rollenspielen können die Patientinnen neues Verhalten ausprobieren und einüben.


In der Verhaltenstherapie steht die Erarbeitung von Lösungsstrategien für den Alltag im Vordergrund. Ziel ist nicht nur die Problemlösung als solche, sondern auch eine Verbesserung der allgemeinen Problemlösefähigkeit. Die Verhaltenstherapie setzt in hohem Maße eine aktive Beteiligung der Patientinnen voraus. Die Methoden sind nicht auf den therapeutischen Rahmen beschränkt, sondern können und sollen jederzeit im Alltag geübt werden. Ein wesentlicher Bestandteil ist die
"Hilfe zur Selbsthilfe", d.h. in der Therapie soll den Patientinnen das nötige Rüstzeug für eine eigenverantwortliche zufrieden stellende Lebensgestaltung vermittelt werden. 


Beziehungsgruppe

Auch die Beziehungsgruppe ist eine themenoffene Gruppe. Der Fokus liegt hier auf den Beziehungen der Patientinnen,
z.B. zu Familie, Gleichaltrigen, Partnern; wir arbeiten hier mit denselben Methoden wie in der Verhaltenstherapiegruppe.


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Fertigkeitentraining


Patientinnen mit Essstörungen sind kompetente Ratgeberinnen in vielen Bereichen. Sie sind empathisch, verständnisvoll und haben kluge und hilfreiche Ideen für andere Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Diese Fähigkeiten sind aber kaum abrufbar, wenn es um die eigene Person geht. Hier wird deutlich, dass den Betroffenen der Zugang zur eigenen Gefühlswelt und insbesondere das Zulassen und Wahrnehmen von unangenehmen Gefühlen sehr schwer fällt. Angst und Hemmungen sind vorhanden, wenn es darum geht, sich durchzusetzen, Ärger zu äußern, Nein zu sagen, andere um etwas zu bitten oder ein Kompliment anzunehmen. Zudem erleben Patientinnen mit Essstörungen oft eine quälende innere Anspannung, die sie durch Essanfälle, Kalorien einsparen oder andere selbstschädigende Maßnahmen abzubauen versuchen.


Das Fertigkeitentraining vermittelt hilfreiche Vorgehensweisen zum Umgang mit Stress und Belastungen, die eine Alternative zu symptomatischen oder selbstschädigenden Verhaltensweisen darstellen und den Druck reduzieren können. Außerdem lernen die Betroffenen, wie sie auf sich achten, sich selbst bewusst wahrnehmen und dadurch Genuss und Ruhe erfahren können. Nicht zuletzt geht es darum, sich in der Akzeptanz zu üben, dass bestimmte Situationen nicht verändert werden können, die eigene Lebensgeschichte so ist wie sie ist und es heilsam sein kann, sich einzugestehen: Ich kann daran nichts mehr verändern, aber es kann etwas Neues entstehen. Gefühlsregulation und Durchsetzungsvermögen sind weitere Themen, die im Fertigkeitentraining besprochen, diskutiert und vor allem geübt werden.


Die Gruppensitzungen zum Fertigkeitentraining verlaufen abhängig vom Thema sehr unterschiedlich. Bestimmte Inhalte werden von der Therapeutin vorgestellt, anderen Inhalten nähern sich die Patientinnen selbst durch Kleingruppenarbeit oder das Sammeln eigener Ideen. Im Vordergrund steht immer das Üben (allein und gemeinsam), auch über die Sitzungen hinaus.


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Kunsttherapie

Bei der Kunsttherapie handelt es sich um eine Psychotherapie mit bildnerischen Mitteln. Die Kunsttherapie setzt dort an, wo die Worte fehlen, z.B. weil das seelische Erleben noch zu verschwommen, zu vielschichtig, zu schrecklich, zu gefährlich oder zu beschämend sein mag. Durch den nonverbalen kreativen Ausdruck können konfliktreiche innere Bilder und Vorstellungen in geschütztem Rahmen bildnerisch verändert, erprobt und schließlich verwandelt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild.


Die inhaltlichen Themen werden vorgegeben oder gemeinsam in der Gruppe entwickelt. Es stehen vielfältige Arbeits-
materialien zur Verfügung, die zur kreativen Gestaltung anregen (z.B. Buntstifte, Kohle und Graphit, Kreiden, Wasser- und Acrylfarben, Ton, Materialien für Collagen etc.). Am Ende jeder Therapiesitzung besprechen wir gemeinsam ausgewählte Arbeiten. Dabei können die Wahrnehmungen der anderen Gruppenteilnehmerinnen wertvolle Anregung und Hilfestellung bieten.


Die Kunsttherapie ermöglicht den Patientinnen ein aktives Handeln mit sichtbarem Ergebnis, das oft als lustvoll und befreiend empfunden wird. Da nicht das Anwenden von ausgewählten künstlerischen Techniken oder ein "künstlerisches Endprodukt" im Vordergrund stehen, bietet das freie Gestalten die Chance, allzu perfektionistische Ansprüche zugunsten eines kreativen Prozesses ohne Bewertungen abzubauen.


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Körperorientierte Psychotherapie


Die Ablehnung des eigenen Körpers ist eines der schwerwiegendsten Symptome einer Essstörung. Viele Betroffene berichten, ihren Körper als zu dick wahrzunehmen, sich vor ihm zu ekeln, ihn als Fremdkörper zu erleben oder ihn regelrecht zu hassen. Sie weigern sich, ihn zu berühren oder ihm die notwendige Fürsorge zukommen zu lassen, quälen ihn mit Fastenkuren, exzessivem Sporttreiben oder selbstverletzenden Verhaltensweisen und missachten dabei jede Schmerz-
grenze. Auch die Angst vor einer Gewichtszunahme ist eng mit der körperlichen Selbstabwertung verbunden.
Aus diesem Grund spielt die Körpertherapie am TCE eine so wichtige Rolle.


Die Körpertherapie hilft den Betroffenen, ihren Körper und seine Bedürfnisse besser wahrzunehmen, individuelle Kraftquellen zu erschließen, ihre körperliche Erscheinung und ihre Weiblichkeit so zu akzeptieren, wie sie ist, Gefühle deutlicher zu spüren und den Mut zu finden, sie offen auszudrücken. Um diese Ziele zu erreichen, nutzen wir Methoden der körper- und ausdrucksorientierten Psychotherapie, aber auch aus dem Bereich der Verhaltenstherapie. 


Indem wir verschiedene Körper- und Ausdrucksübungen mit Fürsorge und Achtsamkeit für den Körper ausführen, können wir auf sanfte oder auch kraftvolle Art und Weise alte Blockierungen lösen, neue Ausdrucksmöglichkeiten erproben und die Lebensenergie wieder zum Fließen bringen. Wichtige Elemente sind dabei der Kontakt zum Boden, der Atem, die Stimme und die Beweglichkeit des Körpers. Auf diese Weise können die Patientinnen lernen, sich in ihrem Körpern mit all ihrer Vielfalt und Lebendigkeit wieder ganz zu Hause zu fühlen. 


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Aufbau von Ressourcen


Patientinnen mit Essstörungen haben erfahrungsgemäß ein geringes Selbstwertgefühl und neigen dazu, ihre mangelnde Selbstakzeptanz durch perfektes Aussehen und ein ausgeprägtes Leistungsverhalten zu kompensieren. Unser Ziel ist es, Strategien zur Steigerung des Selbstwertgefühls zu fördern. Wir stärken die Wertschätzung der eigenen Person, unabhängig von den Ergebnissen des eigenen Handelns. Die Alltagsgestaltung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.


Die Patientinnen lernen in Zusammenarbeit mit den Therapeutinnen und der Gruppe, vor allem therapiefreie Zeit am Wochenende positiv zu gestalten. Wir achten dabei darauf, dass persönliche Interessen und Verpflichtungen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen: Gemeinsame Unternehmungen in der Gruppe oder in Kleingruppen (Workshops, Ausflüge, Kino, Museum etc.) und Zeit im Kontakt mit sich selbst (lesen, malen, entspannen etc.) halten
sich die Balance.


Die Patientinnen können Hobbys wiederentdecken, tragfähige Beziehungen aufbauen und soziale Kompetenzen ent-
wickeln. Sie lernen, wieder Freude am Genießen zu entfalten, die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen und auch kleine Dinge wertzuschätzen. Der Ressourcenaufbau fördert die Fähigkeit zu Entspannung und Gelassenheit und unterstützt
den liebevollen Umgang mit sich selbst. Therapeutisch begleitete Wochenendveranstaltungen wie Kunstworkshops oder Improvisationstheater dienen ebenfalls diesen Zielen.


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Therapeutisches Schreiben


Für die konstruktive Auseinandersetzung mit Problemen hat sich neben den Gruppengesprächen die Bearbeitung des jeweiligen Themas in schriftlicher Form als sehr hilfreich erwiesen. Am TCE gibt es daher eine Reihe von so genannten Schreibaufträgen, die den Patientinnen als Werkzeuge auf ihren Weg aus der Krankheit zur Verfügung stehen. Einige dieser Schreibaufträge sind einmalige Arbeiten und werden von den Patientinnen nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Therapie erstellt (z.B. Tag in der Krankheit), andere können jederzeit als Hilfsmittel zur Lösung eines aktuellen Problems dienen (z.B. ABC). Die Schreibaufträge lassen sich im Allgemeinen je nach Themenbereich den einzelnen Therapiebausteinen zuordnen und werden in den entsprechenden Sitzungen der Gruppe vorgestellt.


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Medizinische Betreuung


Zu Beginn der Therapie am TCE findet eine medizinische Aufnahmeuntersuchung statt. Im Therapieverlauf werden auffallende medizinische Befunde beobachet. Es können Nachkontrollen von Laborwerten, EKGs oder Ultraschallkontrollen veranlasst werden. Auch bei akuten Beschwerden (z.B. bei Infekten) haben die Patientinnen die Möglichkeit, sich an die Ärztin des TCE zu wenden.

Bei erheblichem Untergewicht oder Verdacht auf medizinische Komplikationen werden die Betroffenen zunächst auf eine Station in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Dirtter Orden aufgenommen. Dort kann die erforderliche Diagnostik durchgeführt werden und ein schonender Kostaufbau unter medizinischer Überwachung erfolgen. 


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Therapeutisches Wohnprogramm


Das therapeutische Wohnprogramm ist ein fester Bestandteil des TCE-Behandlungskonzeptes. Sowohl während der tagklinischen Intensivphase als auch in der sich anschließenden Stabilisierungsphase wohnen die Patientinnen in den therapeutisch betreuten Wohngruppen. Die Wohngruppen und die Räume der Tagklinik befinden sich auf demselben Gelände. Zurzeit stehen 30 Wohnplätze verteilt auf 8 Wohnungen zur Verfügung.

Die Patientinnen wohnen in Doppelzimmern in 4-Personen-WGs mit zumeist zwei Bädern, Küche und Gemeinschafts-
raum. Alle Wohnungen verfügen über einen eigenen Balkon. Die Räume sind möbiliert und können von den Bewohnerinnen nach eigenen Wünschen dekoriert und gestaltet werden.


Wichtige Ziele des therapeutischen Wohnens sind:

  • - Intensivierung des Essprogramms nach verhaltenstherapeutischen Gesichtspunkten unter Supervision,
  •   einschließlich der selbständigen Zubereitung von Mahlzeiten
  • - Gemeinsames Essen in der Gruppe
    - Entwicklung und Training von sozialen Kompetenzen wie Selbstbehauptung, Abgrenzung,
      Toleranz und gegenseitiger Unterstützung
  • - Entwicklung und Training von Problemlösestrategien und Krisenmanagement
  • - Förderung der Eigen- und Gruppenverantwortung
  • - Förderung der gegenseitigen Wertschätzung
  • - Förderung einer konstruktiven und offenen Zusammenarbeit im Sinne der Krankheitsbewältigung
  • - Organisation von Freizeit
  • - Verselbständigung

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Mögliche Kostenträger


  • 1. Finanzierung durch Eigenmittel
  • 2. Jugendamt am Wohnort (bei Patientinnen bis zum 21. Lebensjahr)
  • 3. Bezirk Oberbayern (bei Patientinnen ab 21 Jahren)