Nach oben

12. Juni 2018

Alles nur Kopfsache? – Kopf- und Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Kopf- und Bauchschmerzen zählen zu den häufigsten Schmerzen im Kindes- und Jugendalter. In den meisten Fällen sind die Beschwerden chronisch, aber keine organischen Ursachen erkennbar. Häufige Fehlzeiten im Kindergarten oder in der Schule sind die Folge. Arbeitsausfälle der Eltern kommen als Begleiterscheinung nicht selten hinzu. Auch eine Einschränkung der Lebensqualität und Beeinträchtigung des Familienalltages bleiben in der Regel nicht aus. Betroffene im schulpflichtigen Alter etwa müssen immer mehr Unterrichtsstoff nacharbeiten und viele ihrer Freizeitaktivitäten daher zurückstellen. Auch müssen Verabredungen infolge der Schmerzen kurzfristig immer wieder abgesagt werden, wodurch die Patienten und ihre Familien im schlimmsten Fall in eine Spirale der Angst geraten können. Aus Sorge, dass Schmerzen wieder auftreten oder stärker werden und vorgesehene Aktionen stören könnten, trauen sich die Betroffenen dann nicht mehr, Unternehmungen zu planen. Stattdessen versuchen sie, alles, was den Schmerz provozieren könnte, zu vermeiden. Häufig wiederkehrende, vielleicht sogar täglich auftretende Schmerzen wirken auf diese Weise zermürbend und machen hilflos.

Das Gesundheitsforum „Gesundheit informativ", zu dem die Münchner Volkshochschule und das Klinikum Dritter Orden am Dienstag, 12. Juni 2018, gemeinsam eingeladen hatten, zeigte Möglichkeiten auf, wie die Spirale von Angst und körperlichen Reaktionen zu durchbrechen ist. Die erfahrene Psychologin Andrea Kaindl, die ein Konzept zur Behandlung dieser Schmerzstörungen entwickelt hat, arbeitete in ihrem Vortrag heraus, wie Eltern, Erzieher und Lehrer kompetent mit der Situation umgehen können. Zu diesem Zweck erklärte die Referentin zunächst das Entstehen der verschiedenen Formen von Kopf- und Bauchschmerzen ohne körperlichen Befund, die in der Medizin als primäre Schmerzen bezeichnet werden. Aus diesen leitete sie im weiteren Verlauf einfache Tipps ab, die Eltern, Lehrern und Erziehern helfen können, mit dem Schmerzproblem auf eine Weise umzugehen, die zur Schmerzbewältigung beiträgt und die Alltagsaktivität fördert.

Kaindls Ziel ist es, Strategien zu vermitteln, welche die jungen Patienten dabei unterstützen, ihre Schmerzen zu bewältigen bzw. zu reduzieren, um nicht zuletzt wieder mehr Freude und Wohlbefinden erleben zu können. In diesem Zusammenhang führte sie aus, wie den Schmerzen erfolgreich vorzubeugen ist. Ergänzend informierte sie die Teilnehmer über eine wirksame Behandlung mit Medikamenten oder anderen Maßnahmen wie Entspannung oder ähnliches. Zum Schluss ging sie darauf ein, wann ein Kinderarzt, Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) oder eine Kinderklinik zu Rate gezogen werden sollte, weil die Grenzen der Selbsthilfe erreicht sind.

Andrea Kaindl ist im Team der klinischen Psychologie der Kinderklinik des Klinikums Dritter Orden tätig und Autorin des 172-seitigen verhaltens- und hypnotherapeutischen Behandlungsmanuals „Chillen unter dem Sorgenbaum", das 2017 im Carl-Auer-Verlag erschienen ist. Einem Fachverlag für systemische Therapie, Beratung und systemisches Management.

 

 

Kontakt:
Petra Bönnemann
- Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit -
Telefon: 089 1795-1712
petra.boennemann@dritter-orden.de