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30. März 2020

Punktgenau, schonend und hochkomplex: Neuer Linearbeschleuniger am Klinikum Dritter Orden

Die Praxis für Strahlentherapie hat im März den neuen Linearbeschleuniger „TrueBeam®" der Firma Varian in Betrieb genommen. Patienten können von den Strahlentherapeuten seither noch schneller und vor allem schonender behandelt werden. Zudem konnte das Behandlungsspektrum mit dem innovativen Gerät erweitert werden. Das fünfköpfige Facharztteam bietet nun auch bildgeführte und atemgetriggerte strahlentherapeutische Verfahren an und führt hochpräzise stereotaktische Bestrahlungen durch. Das Versorgungsangebot am Standort Nymphenburg umfasst sämtliche Arten von Krebserkrankungen bzw. Metastasen und auch gutartige Erkrankungen wie z. B. Fersensporn oder Arthrosen.
Im Onkologischen Zentrum des Klinikums Dritter Orden erhalten Krebspatienten in allen Phasen ihrer Erkrankung eine ganzheitliche Betreuung. Eine koordinierte Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Fachbereiche und eine hochmoderne apparative Ausstattung machen dies möglich. Bei einem Großteil der Patienten ist im Laufe der Behandlung eine Bestrahlung erforderlich. Diese erhalten sie in der Praxis für Strahlentherapie Nymphenburg, die im DTZ – Diagnose- und Therapiezentrum des Klinikums Dritter Orden untergebracht und seit einigen Tagen mit einem neuen Linearbeschleuniger ausgestattet ist. Ein Gerät, das eine verbesserte Darstellung von Weichgewebe und ein optimales Bewegungsmanagement zulässt und somit die Heilungschancen bei unterschiedlichen Krebsarten verbessert, wie etwa bei Tumoren in der Lunge, Brust oder Prostata, im Kopf oder Hals.

Mit dem TrueBeam®, der von der Firma Varian vertrieben wird, kommt in Nymphenburg nun die derzeit modernste Bestrahlungstechnologie zum Einsatz. Diese erweitert das Behandlungsspektrum um bildgeführte und atemgetriggerte strahlentherapeutische Verfahren und macht hochpräzise stereotaktische Bestrahlungen möglich. „Selbst kleinste Bewegungen der Organe, die durch die Atmung des Patienten ausgelöst werden, können wir erfassen und die Strahlung mit sehr großer Genauigkeit punktgenau durchführen", erklärt Dr. Martin Thoma das Vorgehen. „Dadurch können wir den Tumor, selbst wenn er sehr klein ist, noch gezielter bestrahlen, so dass wir möglichst wenig umliegendes, gesundes Gewebe miteinbeziehen müssen." Die bisher erforderlichen Sicherheitssäume ließen sich auf diese Weise deutlich verringern. „Dies erlaubt es uns, unseren Patienten – 1.200 sind es pro Jahr – eine noch schonendere und zugleich hocheffektive Tumorbehandlung anzubieten", freut sich Thoma, der die Praxis für Strahlentherapie mit Standorten in Nymphenburg und Fürstenfeldbruck gemeinsam mit Dr. Beatrice Schymura leitet. Ihrem Team gehören drei weitere Fachärztinnen, sieben Arzthelferinnen und elf medizinisch-technische Radiologieassistent*innen an. Gemeinsam mit ihnen tragen fünf praxiseigene Medizinphysiker*innen dafür Sorge, dass höchste Patientensicherheit und eine gleichbleibend hohe Behandlungsqualität gewährleistet sind.

„Das neue Bestrahlungsgerät bietet im Vergleich zum Vorgängermodell eine kürzere Liegedauer während der Behandlung. Zudem kann durch die passgenau ausrichtbare punktuelle Bestrahlung die Strahlendosis erhöht werden", informiert Thoma.

Falls erforderlich, können in einer Sitzung nun mehrere Regionen bestrahlt werden, ohne das Wohlbefinden des Patienten allzu sehr zu beeinträchtigen. Das neue Gerät sorgt damit für einen höheren Komfort, steigert die Heilungschancen und verringert die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Hautreizungen, Übelkeit, Durchfall oder Entzündungen der Blase oder Lunge, die auftreten können, je nachdem, welcher Bereich des Körpers bestrahlt werden muss. „Die Chancen, das bösartige Gewebe langfristig zu zerstören, sind mit dem neuen Beschleuniger weiter verbessert. Das Risiko für Nebenwirkungen ist dagegen gering", berichtet Thoma und ergänzt, „dass sich die Strahlentherapie innerhalb der letzten dreißig Jahre zu einer wenig belastenden Methode entwickelt hat."

Um das Tumorgewebe genau zu erfassen, die Atembewegung nachzuverfolgen und den Therapiestrahl präzise auszurichten, ist der Linearbeschleuniger mit einem modernen Röntgensystem ausgestattet. „Neben klassischen Röntgenbildern können wir damit CT-Aufnahmen von optimaler Bildqualität erstellen", erläutert Thoma. Durch einen deutlich verbesserten Weichgewebskontrast könne der Tumor deutlicher vom umliegenden Gewebe unterschieden werden. Mit dynamischen Behandlungstechniken wie IMRT oder VMAT kann die Strahlung auf das tumoröse Gewebe optimal fokussiert werden. Bei der erstgenannten Technik, der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (intensity modulated radiation therapy), wird dies erreicht, indem das Bestrahlungsfeld in kleinere unterschiedlich stark gewichtete Segmente unterteilt wird. Bei der volumenmodulierten Strahlentherapie (Volumetric Modulated Arc Therapie), indem der Beschleuniger mit Hilfe verschiedenster Einstellparameter um den Patienten rotiert.

Ergänzt wird der Patientenkomfort durch die flexible Patientenliege. „Nach Abgleich mit den Kontrollaufnahmen können wir die Liegenposition in alle Richtungen korrigieren, so dass sich die optimale Lage des zu behandelnden Areals stets einstellen und kontinuierlich überprüfen lässt", schildert Thoma.

„Minimale Verschiebungen des Tumors, die zum Beispiel durch das Atmen entstehen, werden erkannt. Bei Überschreitung eines gewissen Toleranzbereiches wird die Strahlung automatisch ausgesetzt", lobt er die ausgefeilte Technik des neuen Linearbeschleunigers.