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Behandlungsschwerpunkt: Essstörungen


Essstörungen und ihre Erscheinungsformen


Essstörungen lassen sich im Wesentlichen in drei Gruppen einteilen:

Magersucht (Anorexie)
Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Esssucht Binge-Eating-Störung

Die folgende Skala zeigt den Zusammenhang zwischen diesen drei Störungsbildern:

                           

Die Überlappungen der Kreise machen deutlich, dass die Symptome der einzelnen Krankheitsbilder sich überschneiden. So können beispielsweise Heißhungerattacken sowohl bei einer Anorexie als auch bei einer Bulimie oder eine Binge-Eating-Störung auftreten. Zum anderen zeigen die Überschneidungen, dass sich das Erscheinungsbild einer Essstörung im Verlauf der Erkrankung häufig wandelt, z.B. eine Anorexie in eine Bulimie übergeht. Zwischen den genannten drei Krankheitsbildern gibt es auch zahlreiche Mischformen. 


Essstörungen gehen häufig mit medizinischen Komplikationen und psychischen Begleiterkrankungen einher.

Magersucht (Anorexia nervosa)


Die Wahrscheinlichkeit, an Anorexie zu erkranken, liegt für junge Erwachsene bei 0,5 bis 1%. An Magersucht erkranken überwiegend Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Nur jeder elfte Betroffene ist männlich.

Was Fachleute unter einer Magersucht verstehen, ist genau definiert. Für die Anorexia nervosa gelten im Wesentlichen folgende Merkmale:
Anorexia nervosa
Diagnosekriterien nach DSM-IV (gekürzt)

1.    Untergewicht von 15% oder mehr (BMI < 17,5)
2.    Angst, zu dick zu sein oder zu werden
3.    Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts sowie
       übertriebener Einfluss von Gewicht und Figur auf die Selbstbeurteilung
4.    Ausbleiben der Monatsblutung

Subtypen der Anorexia nervosa

a) Restriktiver Typ
Beim restriktiven Typ der Anorexia nervosa wird der Gewichtsverlust nur durch Vermeidung von kalorienreichen Speisen und durch vermehrte körperliche Aktivitäten erreicht.


b) Binge-purging-Typ
Beim Binge-purging-Typ der Anorexia nervosa treten regelmäßige Heißhungerattacken auf und/oder die Betroffenen führen Erbrechen herbei oder gebrauchen Abführmittel oder entwässernde Medikamente.


Für Betroffene beider Untergruppen ist ein großer Teil des Tages damit ausgefüllt, das komplizierte Leben nach den eigenen Regeln zu organisieren. Magersüchtigen wird oft Appetitlosigkeit unterstellt. Das ist aber nicht der Fall. Die Beschäftigung mit Essen, das Träumen von köstlichen Mahlzeiten, das Lesen von Kochbüchern und Überlegungen, wo und was an Nahrung noch eingespart werden kann, beherrschen ihre Gedankenwelt. Hungern gilt als Leistung. Diese Leistung stärkt das Selbstbewusstsein und vermittelt das Gefühl, etwas Besonderes zu können und zu sein.


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Bulimie (Bulimia nervosa)


Auch an Bulimie erkranken mehr Frauen als Männer. Es wird geschätzt, dass zwischen 1 und 3% der Frauen im Alter von 15 bis 35 Jahren die Diagonsekriterien einer Bulimie erfüllen. Die Auftretenswahrscheinlichkeit der Bulimia nervosa ist damit ca. dreimal höher als die der Anorexia nervosa. Das häufigste Erkrankungsalter liegt zwischen 16 und 19 Jahren. auch an Bulimie erkranken zehnmal mehr Frauen als Männer.

Bulimia nervosa
Diagnosekriterien nach DSM-IV (gekürzt)

1.    Heißhungerattacken
2.    Kompensatorische Maßnahmen zur Vermeidung einer Gewichtszunahme
3.    Heißhungerattacken und kompensatorische Maßnahmen kommen mindestens zweimal pro Woche
       über drei Monate vor
4.    Ausgeprägte Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von Körpergewicht und Figur
5.    Die Störung tritt nicht ausschließlich bei einer Episode von Anorexia nervosa auf

Subtypen der Bulimia nervosa


a)Purging-Typ:
Beim Purging-Typ der Bulimia nervosa treten Verhaltensweisen zur Gewichtsreduktion wie selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln und entwässernden Medikamenten auf.

b) Non-purging-Typ:
Beim Non-purging-Typ werden nach Heißhungerattacken ausschließlich Fasten und gesteigerte Bewegung zur Gewichtsregulierung eingesetzt.


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Nicht näher bezeichnete Essstörung


Es gibt Patientinnen und Patienten, die offensichtlich an einer Essstörung leiden, die bei enger Auslegung der Kriterien weder als Magersucht noch als Bulimie bezeichnet werden kann. Aus diesem Grund wurde eine eigene Kategorie geschaffen, nämlich die "Nicht näher bezeichneten Essstörungen".


In den letzten Jahren gewinnt eine besondere Form einer nicht näher bezeichneten Essstörung an Bedeutung, die so genannte Binge-Eating-Störung (Esssucht). Untersuchungen weisen darauf hin, dass 1 bis 5% der Bevölkerung von dieser Störung betroffen ist. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 20 und 30 Jahren. Rund ein Viertel der Betroffenen sind Männer.


Binge-Eating-Störung


Bei einer Binge-Eating-Störung treten wiederholte Episoden von Essanfällen mit Verschlingen großer Nahrungsmengen und dem Gefühl des Kontrollverlustes während der Heißhungerattacke auf. Diese Essanfälle sind mit Ekelgefühlen gegen sich selbst, Niedergeschlagenheit und Schuldgefühlen verbunden. Oft essen die Betroffenen aus Scham nur heimlich. die Binge-Eating-Störung führt meist zu einer mehr oder weniger kontinuierlichen Gewichtszunahme. Ein kleiner Prozentsatz übergewichtiger Menschen leidet an dieser Form einer Essstörung. In der Mehrheit der Fälle tritt Übergewicht (Adipositas) jedoch unabhängig von einer Essstörung auf.


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Medizinische Komplikationen


Medizinische Komplikationen bei Essstörungen sind, wenn auch in sehr unterschiedlichem Schweregrad, nahezu unvermeidlich. Sie sind bedingt durch Unter- und Mangelernährung, Folgen des Erbrechens oder des Missbrauchs von abführenden und entwässernden Medikamenten sowie übermäßige oder zu geringe Trinkmengen. Durch Komplikationen können nahezu alle Organsysteme beeinträchtigt werden. In der folgenden Liste sind die wichtigsten Störungen aufgeführt:


Mund- und Gesichtsbereich:
z.B. Drüsenschwellungen (besonders Ohrspeicheldrüse), Zahnkaries

Herz-Kreislauf-Störungen:
z.B. verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Herzrythmusstörungen

Magen-Darm-Bereich:
z.B. Speiseröhrenentzündung, Magenerweiterung und -entleerungsstörungen, Reizung der Bauchspeicheldrüse

Stoffwechselstörungen:
z.B. Verminderung der Mineralsalze (Elektrolyte), Verminderung des Blutzuckers

Hormonstörungen:
z.B. Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung), Schilddrüsenunterfunktion, Osteoporose, verzögerte Pupertät und Wachstumshemmung

Hautveränderungen:
z.B. trockene Haut, Haarausfall, gelbliche Hautfarbe

Nervensystem:
z.B. Konzentrationsstörungen, Verlangsamung, Depressionen, Erweiterung der Hirnwindungsfurchen und Hirnkammern, Nervenlähmungen

Niere:
z.B. Nierenschädigung durch Kaliummangel


Diese keineswegs vollständige Liste an Funktionsstörungen und Organschäden zeigt, wie unentbehrlich medizinische Diagnostik und Betreuung in der  Behandlung Essgestörter sind, unabhängig von der Art der Psychotherapie.


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Psychische Begleiterkrankungen von Essstörungen (Komorbidität)


Unter Komorbidität versteht man zusätzlich zu einer Essstörung auftretende psychische Störungen oder Erkankungen. Am häufigsten sind depressive Störungen, die in bis zu 70% aller Fälle die Anorexie oder Bulimie begleiten. Angst- und Zwangsstörungen finden sich vor allem bei der Anorexia nervosa, während bei der  Bulimia nervosa ein begleitender Alkohol- oder Substanzmissbrauch häufiger ist als bei der Anorexie. Unter den Persönlichkeitsstörungen spielt das so genannte Borderline-Syndrom zwar nicht bezüglich der Häufigkeit, aber inhaltlich eine wichtige Rolle, da diese Patientinnen oft Schwierigkeiten haben, sich zum Beispiel in eine Gruppentherapie oder in eine Wohngemeinschaft einzufügen.


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