Seit Mai 2026 steht PD Dr. Beate Häberle am Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg an der Spitze der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie – als erste Frau in dieser Position und erste Chefärztin in der 114-jährigen Geschichte des Nymphenburger Schwerpunktkrankenhauses. Gestützt auf langjährige Erfahrung und wissenschaftliche Expertise bringt sie neue Impulse für die Zukunft der Klinik mit.
Nach 130 Tagen ist Zeit für eine erste Bilanz. Und die fällt positiv aus: „Wir haben hier alles, was es für den nächsten Schritt braucht“, so die neue Chefärztin. „Mein Vorgänger hat den Boden bestens aufbereitet und eine hervorragende Basis geschaffen, um auch künftig weiter voranzugehen.“
München, 10. September 2026 – Die ersten Monate hat PD Dr. Beate Häberle vor allem genutzt, um ihr Team kennenzulernen, Strukturen weiterzuentwickeln und eigene fachliche Schwerpunkte zu setzen. Besonders beeindruckt haben sie der wertschätzende Umgang im Haus und die große fachliche Breite der Abteilung. „Die Kinderchirurgie umfasst ein außerordentlich vielfältiges Spektrum“, sagt die neue Chefärztin, „welches mit großer Kompetenz durch die Kolleginnen und Kollegen abgedeckt wird.“ Ihr Ziel sei es nun, Bewährtes weiterzuführen und gleichzeitig offen für neue Entwicklungen zu bleiben. „Wir wollen die Möglichkeiten moderner Kinderchirurgie für unsere Patientinnen und Patienten konsequent weiterdenken.“Vom Haunerschen an das Klinikum Dritter Orden
23 Jahre war Häberle am Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums tätig, zuletzt als leitende Oberärztin. Zu ihren besonderen Schwerpunkten gehören die plastisch-rekonstruktive Kinderchirurgie, die Handchirurgie bei Kindern, die Therapie angeborener Gefäßfehlbildungen, die Neugeborenenchirurgie und die minimalinvasive beziehungsweise laparoskopische Chirurgie. Darüber hinaus verfügt sie über sehr große Erfahrung in der kinderonkologischen Chirurgie.
„Viele Menschen wissen gar nicht, wie vielfältig die plastisch-rekonstruktive Kinderchirurgie ist“, erklärt Häberle. „Mir liegt die Versorgung von Kindern mit Problemen in diesem Bereich besonders am Herzen – zum Beispiel bei Narbenkorrekturen, Handfehlbildungen oder angeborenen großen Hautveränderungen. Auch seltene angeborene Gefäßfehlbildungen gehören dazu.“
Diese Expertise möchte die neue Chefärztin künftig auch noch stärker am Klinikum Dritter Orden einbringen und weiterentwickeln. Dabei kann sie auf langjährige wissenschaftliche Arbeit und ein gewachsenes Netzwerk in ihrem Fachgebiet zurückgreifen. Als Mitglied der Studienleitung für kindliche Lebertumoren der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie sowie als Mitgründerin des interdisziplinären Zentrums für Gefäßanomalien der LMU hat sie spezialisierte Versorgungsstrukturen mit aufgebaut und weiterentwickelt. 2020 habilitierte sie sich an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über Therapie und Prognosefaktoren beim Hepatoblastom, dem häufigsten bösartigen Lebertumor im Kindesalter.
Wenn ein kleiner Körper eine große Operation braucht
Kinderchirurgie ist weit mehr als Chirurgie für kleinere Patientinnen und Patienten. Viele Erkrankungen sind angeboren, Organe befinden sich noch in Entwicklung und bei jeder Behandlung muss mitgedacht werden, welche Auswirkungen ein Eingriff auf das weitere Wachstum und Leben des Kindes haben kann.
Das Spektrum der Kinder- und Jugendchirurgie am Klinikum Dritter Orden ist entsprechend breit. Es reicht von akuten Notfällen und der Neugeborenenchirurgie über die Chirurgie angeborener Fehlbildungen und die Kinder- und Jugendtraumatologie bis hin zur Kinderurologie, Bauchchirurgie, Neurochirurgie und plastischen Kinderchirurgie.
Ein wichtiger Baustein ist dabei die minimalinvasive Chirurgie. Laparoskopische Eingriffe ermöglichen in vielen Fällen eine besonders schonende Behandlung und sind auch schon bei Säuglingen möglich. Gleichzeitig bedeutet moderne Medizin für Häberle nicht, möglichst schnell zu operieren. Entscheidend sei vielmehr für jedes Kind den richtigen Zeitpunkt und die individuell passende Behandlung zu finden und dabei auch konservative Therapiemöglichkeiten in die Überlegungen mit einzubeziehen.
Gemeinsam für die Kleinsten
Gerade bei den kleinsten Patientinnen und Patienten ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche besonders wichtig. Als Teil des Perinatalzentrums arbeitet die Kinder- und Jugendchirurgie eng mit Geburtshilfe, Neonatologie und Kinder- und Jugendmedizin zusammen. Bereits vor und rund um die Geburt können so notwendige Behandlungen gemeinsam geplant und abgestimmt werden. Für die Eltern gibt es daher auch die Möglichkeit, schon vor der Geburt ein beratendes Gespräch mit Chefärztin Häberle zu führen, sollte eine chirurgische Behandlung nach der Geburt wahrscheinlich sein, z.B. bei angeborenen Fehlbildungen.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für Häberle ein zentraler Bestandteil moderner Kinderchirurgie. Mit dem Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Professor Dr. Florian Hoffmann, verbindet sie eine langjährige gemeinsame Zeit am Dr. von Haunerschen Kinderspital.
„Der fachliche Austausch und die gemeinsamen Entscheidungen über den besten Behandlungspfad funktionieren sehr gut. Die Zusammenarbeit mit ihm und dem gesamten interdisziplinären Team bringt viele Synergien – und macht einfach Freude“, sagt Häberle. „Die beste Behandlung entsteht dann, wenn viele Perspektiven zusammenkommen und am Ende das Kind im Mittelpunkt steht.“
Erfahrung bewahren, Entwicklung ermöglichen
Die Versorgung von Neugeborenen und Kindern mit angeborenen Fehlbildungen wird auch in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt sein. Die bereits bestehende hohe Expertise soll weiter ausgebaut und insbesondere die interdisziplinäre Nachsorge gestärkt werden. Denn mit einer gelungenen Operation ist die Behandlung nicht automatisch abgeschlossen. Gerade bei Kindern ist eine langfristige Begleitung oft entscheidend für die weitere Entwicklung und Lebensqualität.
Gleichzeitig möchte Häberle eigene Akzente setzen. Besonders die plastisch-rekonstruktive Kinderchirurgie, die Handchirurgie, die Behandlung von Gefäßfehlbildungen und die minimalinvasive Chirurgie sollen künftig noch stärker neben der hervorragenden Neugeborenenchirurgie im Profil der Klinik sichtbar werden.
Dabei gilt der Blick neben der medizinischen Spezialisierung auf höchstem Niveau, immer auch dem Kind als ganzen Menschen. „Für Kinder kann ein Krankenhausaufenthalt eine völlig neue und fremde Situation sein. Gerade Notfallsituationen werden häufig als beängstigend erlebt. Deshalb ist es wichtig, Kinder altersgerecht einzubeziehen und ihnen so gut wie möglich zu erklären, was passiert“, sagt Häberle.
Die Zukunft beginnt nicht nur im OP
Was moderne Kinderchirurgie ausmacht, entscheidet sich nicht allein im Operationssaal. Es geht um die richtige Diagnose, die gemeinsame Entscheidung mit den Eltern, möglichst schonende Therapien, eine gute Nachsorge – und um ein Team, das unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt und sich fachlich weiterentwickelt. Für Häberle bedeutet das, „medizinische Exzellenz mit Menschlichkeit zu verbinden.“
Eine abschließende Bilanz lässt sich nach 133 Tagen noch nicht ziehen. Eine Richtung aber schon: Bewährtes bleibt, Neues darf entstehen.
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